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24.6.2017 : 12:19 : +0200

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Pfarramt Langenargen

GEMEINDEBRIEF Weihnachten 2016

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

Liebe Gemeindeglieder,

dieses Wort der Engel an die Hirten auf dem Felde steht über jedem Weihnachtsfest. Bei uns schwebt dieses Wort oft wie ein zartes Licht über allen Weihnachtsbräuchen. Es gehört untrennbar zu Weihnachten. Es tröstet alle, deren Lebensumstände von Unfrieden und Streit geprägt sind. Es schenkt Hoffnung, dass Friede möglich ist, wo wir keinen Frieden schaffen können. Aber es ist eine zarte Wolke, denn äußerlich betrachtet, leben wir ja im Frieden. Bei uns wächst die zweite Generation heran, für die Frieden im Land selbstverständlich ist. Anderswo in der Welt, ja, da gibt es Krieg. Wir sehen es in den Medien. Aber bei uns herrscht Frieden.
Nach einem Besuch in Israel bekommt das Wort „Friede“ allerdings auf einmal ganz andere Konturen. Plötzlich bewegt man sich in einem Land, das seit Jahrtausenden im Brennpunkt steht, wo Friede die Zeit zwischen zwei Kriegen ist – so drückte es unser Reiseleiter aus. Bomben, Terror, Gewaltakte –, das sind Alltagserfahrungen fast aller Menschen, die in diesem Land leben. Erst vor Ort fängt man an zu erahnen, wie komplex die Situation ist. Viele sind einfach nur dankbar für jeden Tag, an dem die Waffen schweigen. Auch in Israel wollen die Menschen ungestört arbeiten und so normal leben wie möglich. Inzwischen ist ein Friedensvertrag wieder in weite Ferne gerückt. Frieden in Israel – das ist und das war noch nie selbstverständlich. Der Staat Israel tut viel, um wenigstens den Waffenstillstand zu bewahren. Und es entstanden viele, oft kleine Initiativen, die Brücken suchen und bauen, um wieder miteinander in Kontakt zu kommen. Ohne das gemeinsame Gespräch wird der andere doch immer mehr zum Fremden, den man nicht kennt.
Unsere Fremdenführerin in Bethlehem, überzeugte Christin und überzeugte Palästinenserin, engagiert sich in Friedensgruppen. Sie brannte dafür, Wege zueinander zu finden, wo keine Wege möglich scheinen. Manchmal muss man ein Haus eben durch den Hintereingang betreten, oder Behörden so lange anfragen, bis Bescheide positiv entschieden werden.
Der menschliche Frieden scheint in Israel in weite Ferne gerückt. Und auch wir kennen Situationen, wo es unmöglich scheint, zueinander zu kommen und Frieden zu schließen. Aus den Begegnungen in Israel nehme ich die Hoffnung mit, dass es sich lohnt, trotz allem nach Frieden zu suchen. Der kleinste Schritt aufeinander zu ist nicht vergeblich. Den umfassenden Frieden mögen wir ersehnen und wir müssen nicht verzweifeln, wenn sich dieser Friede auf politischem, menschlichem Weg nicht erreichen lässt.
Frieden auf Erden – so singen es die Engel den Hirten zu. Alle unsere Friedensbemühungen werden umhüllt und getragen von unserem Gott, der allein tiefen Frieden schaffen kann. Frieden auf Erden! Auch uns singen es die Engel Gottes zu.

Mit herzlichen Wünschen für eine gesegnete und friedevolle Weihnachtszeit.

Ihre Pfarrerin Reinhild Neveling