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18.10.2017 : 4:03 : +0200

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Pfarramt Langenargen

GEMEINDEBRIEF Pfingsten 2017

Werte Gemeindeglieder zu Eriskirch und Langenargen,

darf ich es gleich offen aussprechen: ich nehme es als schönes Vorzeichen, dass die ersten Worte, die ich als Ihr neuer Gemeindepfarrer an Sie richten darf, zugleich dem Pfingstfest, der Verheißung des göttlichen Geistes gewidmet sind. Zunächst aus ganz persönlichen Gründen: Weil ich in mir das tiefe Empfinden verspüre, in den kommenden ersten Wochen und Monaten des göttlichen Beistands in besonderem Maße bedürftig zu sein...

Allerdings ist es nicht nur persönliches Umgetrieben-Sein, das mich auf die pfingstliche Verheißung des Heiligen Geistes hoffend und erwartend blicken lässt. Wächst doch in mir zunehmend die Überzeugung, dass dem Pfingstfest, diesem im Kreis der Hochfeste immer verlorener herumstehenden Stiefkind des Kirchenjahres, mitnichten die ihm angemessene Bedeutung zukommt!

Das mag damit zusammenhängen, dass wir in der Welt des Vorstellbaren, Greifbaren, Sichtbaren, der nackten Fakten und Zahlen inzwischen zu sehr beheimatet sind. Wir haben gelernt, der Erde treu zu bleiben. Sind vielleicht sogar kleine Materialisten geworden, denen die Welt des Geistes immer fremder anmutet?!?

Es liegt mir fern, diese Treue zur Erde nur zu beklagen. Erst recht nicht im Sinne einer christlichen Weltverachtung früherer Zeiten.  Dennoch möchte ich in Erinnerung rufen Briefzeilen von Antoine de Saint-Exúpery aus dem Jahre 1943:

„Ach, Herr General, es gibt nur ein Problem, ein einziges in der Welt. Wie kann man den Menschen eine geistige Bedeutung, eine geistige Unruhe wiedergeben; etwas auf sie herniedertauen lassen, was einem Gregorianischen Gesang gleicht! … Sehn Sie, man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen und Kreuzworträtseln. Man kann nicht mehr. Man kann nicht mehr leben ohne Poesie, ohne Farbe, ohne Liebe. … Es gibt nur ein Problem, ein einziges: es gilt zu entdecken, daß es ein Leben des Geistes gibt, das noch höher steht als das Leben der Vernunft und das allein den Menschen zu befriedigen vermag.“

Ohne Geist kann man nicht leben, so Saint-Exúpery. Darum die größte Not: die Geistlosigkeit! Wir mögen alles haben: Häuser und Geld und gepflegte Straßen und Strände und schön angelegte Uferwege. Aber wir hätten doch nichts und tanzten um eine leere Mitte, wenn uns der Geist abhanden bliebe: Geist ist die unsichtbare Seele der Dinge. Der geheime Herzschlag. Ohne ihn fallen politische Parteien geistlosem Machtstreben anheim. Ohne Geist werden Schulen zu seelenlosen Bildungseinrichtungen. Verwaltungen zu bürokratischen Maschinerien. Verlieren Jugendliche die Ahnung, dass ihrem kleinen menschlichen Leben doch ein hohes Geheimnis innewohnt. Mitnichten wäre die pfingstliche Bitte ‚Komm, Heiliger Geist!‘ also ein Ruf, der nur für die christlichen Gemeinden eine Bedeutung hätte! Allerdings meine ich, dass dieser Ruf zuallererst ihren Lippen entspringen muss: Weil die Kirche zuallererst nicht ohne Geist leben kann. Ihre Geburt aus dem Heiligen Geist, die wir an Pfingsten feiern: Sie ist nämlich keine, die die Kirche jemals abstreifen, jemals hinter sich lassen könnte! Vielmehr ist sie eine immerwährende Geburt: In jedem einzelnen sonntäglichen Gottesdienst, in jeder einzelnen Versammlung unserer Gruppen und Kreise wird die Kirche aus dem Geist Gottes geboren. Oder nicht. Die Not der Geistlosigkeit aber wäre die schlimmste! Deshalb kann man ohne pfingstliches Bitten und Flehen nicht Pfarrer sein. Aber auch nicht Gemeinde Jesu Christi: Ohne Geist kann man nicht leben.

Möge Gott uns also bewahren vor seelen- und gedankenlosen Gottesdiensten! Vor einer Gemeinde, die sich nur hingibt kühlen Bilanzen und dem Unernst theologischer Kreuzworträtsel-Spiele. Und vor den Eisschränken einer reinen Funktionärs-Kirche! Möge Gott uns stattdessen beschenken mit dem farbigen, poetischen und liebevollen Geist des Christusglaubens: Komm, Heiliger Geist!

Es grüßt Sie – (noch!) aus der Ferne – zum ersten Mal

Ihr Pfr. Matthias Eidt