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23.1.2018 : 6:50 : +0100

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Pfarramt Langenargen

GEMEINDEBRIEF Weihnachten 2017

 

 

Weihnachten 2017 der Evangelischen Kirchengemeinde Langenargen-Eriskirch 

 

„Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ 

  

Liebe Gemeinde,

Martin Luther soll diesen Satz gesagt haben. Ist er an dieser Stelle ein verspäteter Nachklapp zum Reformationsjubiläum? Nur, was hat ein frisch gepflanzter Baum mit Advent und Weihnachten zu tun? Weihnachten wie wir es feiern, erstickt. Immer ausgefeiltere Dekorationen füllen Räume und öffentlichen Raum, hoch ästhetisch oder schrill und bunt, in jedem Fall üppig. Die Vorschläge für Festtagsmenüs füllen ab Anfang November die Zeitungen. Geschenkideen für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel werden uns angepriesen. Und so müssen wir uns jedes Jahr wieder auf den Weg machen wie Maria und Josef um die Botschaft von Weihnachten hinter all den bunten Verpackungen zu entdecken.

Das Zitat vom Apfelbäumchen kann uns da einen neuen Blick auf das Weihnachtsfest eröffnen. Wer einen Apfelbaum pflanzt, ist geerdet, verbunden mit der Natur und dem Leben. Er lebt im Hier und Jetzt. Einen Baum zu setzen, das ist eine Aktion, die erst in der Zukunft Früchte tragen wird. Der Pflanzende kommt vielleicht noch nicht einmal in den vollen Genuss der Früchte. Wer einen Apfelbaum pflanzt, der rechnet mit einer Zukunft, in der man noch Äpfel ernten kann. 

Angesichts des drohenden Weltuntergangs einen Apfelbaum zu pflanzen, das klingt verrückt. Das kann nur jemand tun, der tief mit dem Leben verbunden ist. Solch ein Mensch verkriecht sich nicht vor drohenden Gefahren. Er lässt sich auch nicht von jedem Schreckensszenario aus der Bahn werfen. Ihn kann nichts so einfach verleiten, die Hände in den Schoß zu legen und alles aufzugeben. Wer weiß schon, ob der Weltuntergang morgen kommt. Heute gilt es Verantwortung zu übernehmen und zu leben. Wer angesichts aller Schrecken dieser Welt heute einen Apfelbaum pflanzt, der setzt damit ein Zeichen der Hoffnung, dass es ein Morgen gibt für das sich zu leben lohnt. 

Und steckt nicht genau das auch in der christlichen Weihnachtsbotschaft? Gott wird Mensch. Er selbst kommt auf die Erde und gibt ihr mit seinem Kommen Würde und Wert. Er begibt sich selbst mitten hinein in das menschliche Leben und zeigt damit, dass er eine Zukunft sieht und dass er Hoffnung hat, für die Menschen und für die Welt. Diese Hoffnung gilt nicht erst für die Ewigkeit. Sie steht mitten im Dreck dieser Welt. Sie beginnt hier zu wachsen, wie das Apfelbäumchen. 

Und so wünsche ich Ihnen ein hoffnungsvolles und lebendiges Weihnachtsfest. 

 

Ihre Pfarrerin Reinhild Neveling